Wer darf „auf Kur fahren“ und was ist dafür nötig?

Wer darf „auf Kur fahren“ und was ist dafür nötig?

Kuren gibt es im Grunde schon seit dem Mittelalter, sie stellen eine Kombination aus medizinischer Betreuung und natürlichen Heilmitteln dar, die in einer ruhigen und erholsamen Umgebung durchgeführt bzw. verabreicht werden. Eine Kur kann sowohl zur Vorsorge als auch Nachsorge genutzt werden, weckt neue Lebensgeister und sorgt im besten Fall dafür, dass Körper und Seele wieder in Einklang miteinander gelangen.

Einerseits stellen Kuren ein Präventionsangebot dar, um Krankheiten vorzubeugen und eine gesunde Lebensweise zu erlernen. Andererseits können Sie in Form einer Rehabilitationsmaßnahme aber auch dazu beitragen, bestehende Krankheiten auszukurieren oder nach einem medizinischen Eingriff die Heilung voranzutreiben. Beantragt werden kann ein Kuraufenthalt von allen sozialversicherten Personen – allerdings besteht kein Rechtsanspruch, da es sich um eine freiwillige Leistung des Sozialversicherungsträgers handelt.

Wann wird eine Kur verschrieben?

Wer krank ist oder sich dauerhaft unwohl oder schlecht fühlt, kann eine Kur für sich in Anspruch nehmen. Zwingend notwendig ist dafür, dass bereits alle notwendigen Therapien am Wohnort gemeinsam mit dem Hausarzt ausgeschöpft wurden und diese nicht für eine Verbesserung sorgen konnten. In dem Fall wird eine Kur meist nach folgendem Schema beantragt:

Kur mit dem Arzt abstimmen

Zunächst klären Patient und Arzt ab, um was für eine Art von Kur es sich handeln soll. Geht es um eine Vorsorge- oder Reha-Kur, soll diese ambulant oder stationär stattfinden und nehmen vielleicht weitere Personen teil, so wie es bei einer Mutter-Kind-Kur der Fall ist? Die Absprache mit dem Arzt ist deshalb so wichtig, weil dieser am besten abschätzen kann, welche Therapien und Kuren am wirkungsvollsten sind. So lassen sich erste Schwerpunkte und Ziele setzen. Darauf basierend kann ein passender Kurort gefunden werden. Mit diesen Grundinformationen lässt sich der notwendige Antrag bereits stellen – die nötigen Formulare hält die jeweilige Krankenkasse bereit.

Die Prüfung durch die Krankenkasse

Nachdem der Antrag eingereicht wurde, wird dieser von der Krankenkasse geprüft. Sind alle notwendigen medizinischen Unterlagen eingereicht worden und sind diese aussagekräftig, wird eine weitere neutrale medizinische Institution hinzugezogen, die den Antrag ebenfalls prüft. Meist genügt dafür die Kontrolle der Krankenakte, manchmal werden aber auch körperliche Begutachtungen angeordnet. Sollte die Kuranfrage abgelehnt werden, ohne dass zuvor eine persönliche Untersuchung stattfand, so lässt sich übrigens in Absprache mit dem Arzt Einspruch erheben.

Die Anerkennung der Kur

Wird die Kur anerkannt, so wird dies dem Patienten mitgeteilt und die Krankenkasse, Rentenversicherung oder ein anderer entsprechender Leistungsträger übernimmt die Kosten für die Behandlung. Unter Umständen wird sogar der gesamte Aufenthalt übernommen, dies hängt allerdings von vielen Faktoren ab und lässt sich im Vorfeld nicht pauschal ermitteln. Immer gleich ist hingegen der gesetzliche Eigenanteil von 10 Euro pro Tag.

Geringverdiener profitieren

Interessant ist außerdem, dass all jene, die über ein geringes Einkommen verfügen, pro Kalenderjahr nur Zuzahlungen bis zu ihrer individuellen Belastungsgrenze leisten müssen. Diese liegt bei 2% der jährlichen Familien-Bruttoeinnahmen. Handelt es sich um schwerwiegend chronisch kranke Patienten, so beträgt der Grenzwert sogar nur 1%. Ist diese Belastungsgrenze erreicht, kann eine Befreiung weiterer Zuzahlungen erwirkt werden.

Wartezeiten bei der Kur berücksichtigen

Wer schon einmal von einer Kur profitiert hat, möchte die Vorzüge in der Regel auch später noch einmal nutzen. Grundsätzlich ist es möglich, einen erneuten Kurantrag zu erstellen, hierbei gilt es jedoch zu beachten, dass eine gewisse Wartezeit zwischen zwei Kuren eingehalten werden muss. Bei allen stationären Kuren beträgt diese Wartezeit 4 Jahre, bei ambulanten Behandlungen hingegen 3 Jahre. Werden diese Wartezeiten bei der Kurbeantragung nicht eingehalten, wird der Kurantrag grundsätzlich abgelehnt.

Unter Umständen gibt es jedoch Ausnahmen von dieser Regel. Dies ist dann der Fall, wenn eine besondere medizinische Dringlichkeit vorliegt und der behandelnde Arzt dies nachweisen kann. Gerade dieser Nachweis gestaltet sich in der Praxis jedoch häufig schwierig, dann ist meist nur die privat finanzierte Kur eine Alternative. Kur-Erfahrene nutzen hier häufig Kuren im benachbarten Ausland, da diese in Ungarn oder der Tschechischen Republik vergleichsweise günstig sind.

Kur privat besuchen – geht das?

Theoretisch muss nicht zwangsläufig ein Antrag bei der Krankenkasse gestellt werden – wer mag, der kann eine Kur auch völlig selbständig durchführen. In dem Fall müssten sämtliche Kosten allerdings selbst getragen werden, angefangen bei der Fahrt über die Übernachtung bis hin zur Verpflegung. Nur die Kosten für Heilbehandlungen, die vom Kurarzt verschrieben werden, werden in Höhe von 90% von der Krankenkasse übernommen. Die übrigen 10% müssen vom Patienten getragen werden. In kompletter Eigenregie können die Kosten einer Kur also durchaus sehr hoch sein, vor allem dann, wenn zahlreiche Therapie- oder Heilverfahren hinzukommen, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden.

 

Ihr Weg zur Kur

Ihr Weg zur Kur. – Infografik

Diese Infografik können Sie auf ihrer Seite einbinden, kopieren Sie dazu einfach den folgenden Code und binden diesen in Ihre Website ein:

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13. November 2016 / von / in
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