Krankheitsbild Krebs: Rehabilitation & Vorsorge

Während Krebs früher noch als verhältnismäßig seltene Krankheit galt, so ist er heute weit verbreitet und stellt längst keine Ausnahme mehr dar. Stattdessen gilt er sogar als eine der häufigsten Erkrankungen der Gegenwart.

Oft ist die Behandlung von Krebs für die Betroffenen mit großen Anstrengungen verbunden. Operationen, Chemotherapie und ähnliche Maßnahmen verlangen sowohl dem Körper als auch dem Geist einiges, wenn nicht gar alles ab. Häufig folgen im Anschluss an die Krebsbehandlung daher umfassende Reha-Maßnahmen, damit der Betroffene neue Kraft schöpfen kann, sich erholt und seinen Gesundheitszustand nach Möglichkeit konstant verbessert. Abseits dieser Kur-Maßnahmen, die vor allem nach einer erfolgreichen Krebstherapie anschließen, gibt es außerdem verschiedene Möglichkeiten, vor einer möglichen Krebserkrankung aktiv zu werden – die Rede ist hierbei von sogenannten Vorsorgeuntersuchungen. Abseits dessen sind auch die Angehörigen von Krebskranken zu berücksichtigen, denn diese leiden häufig ebenfalls stark unter den veränderten Lebensumständen.

Schleife gegen Krebs (Bildcredit: Pixabay.com - laurixnh)

Vorsorgemaßnahmen gegen Krebs

Eine klassische Kur als Vorsorgemaßnahme gegen Krebs gibt es in dieser Form nicht, jedoch sind sich Fachleute einig, dass ein gesunder Lebensstil das Risiko, an Krebs zu erkranken, wesentlich reduzieren kann. Eine wichtige Anlaufstelle für Interessierte ist an dieser Stelle der Europäische Kodex zur Krebsprävention, der von Krebsexperten aus ganz Europa im Jahr 1987 zusammengestellt wurde. Allein durch die Änderung gängiger Ernährungsgewohnheiten ließe sich die Krebshäufigkeit nach Expertenmeinung vermutlich um bis zu 30 bis 40 Prozent senken. Weitere wichtige Faktoren sind außerdem:

  • Nicht rauchen und keinerlei Tabak verwenden
  • Arbeiten und leben in einer rauchfreien Umgebung
  • Gesundes Körpergewicht anstreben und dauerhaft halten
  • Tägliche Bewegung, auch im Alltag
  • Ausgewogen und gesund ernähren, unter anderem mit Getreide, Hülsenfrüchten, Obst und Gemüse. Hochkalorische und zuckerhaltige Getränke gilt es hingegen nach Möglichkeit zu vermeiden. In der täglichen Ernährung sollte außerdem nicht zu häufig zu verarbeitetem und rohem Fleisch sowie salzhaltigen Speisen gegriffen werden
  • Alkoholkonsum einschränken
  • Sonnenschutz berücksichtigen
  • Vor krebserregenden Stoffen im Alltag und auf der Arbeit schützen
  • Radon-Belastung zu Hause gering halten
  • Stillen schützt vor Brustkrebs – Frauen sollten ihr Baby daher stillen, sofern möglich. Wird eine Hormonersatztherapie gegen Wechseljahresbeschwerden eingesetzt, so sollte dies außerdem in Maßen geschehen.
  • Kinder gegen HPV und Hepatitis B impfen
  • Krebsfrüherkennungsuntersuchung regelmäßig wahrnehmen

Um einige oder alle dieser Punkte zu erfüllen, kann sich die Inanspruchnahme einer Kur durchaus lohnen. Damit die Krankenkasse diese Kosten übernimmt, müssen allerdings bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. So muss der Patient mindestens einen der folgenden Punkte nachweisen können:

  • er verfügt über eine geschwächte Gesundheit oder es besteht die Wahrscheinlichkeit einer Krankheitsentwicklung
  • die gesundheitliche Entwicklung eines Kindes ist gefährdet
  • Krankheiten können durch die Kur verhütet oder ihre Verschlimmerung vermieden werden
  • Pflegebedürftigkeit kann durch die Kur vermieden werden

Ob und welche Kur in Frage kommt, entscheidet zunächst der Hausarzt gemeinsam mit dem Patienten. Der Antrag wird danach bei der Krankenkasse eingereicht, die wiederum prüft, ob die Forderung gerechtfertigt ist.

Krebsfrüherkennung und warum sie so wichtig ist

Eine andere Form der Vorsorge ist die Krebsfrüherkennung, die nach konkreten Anzeichen auf eine Krebserkrankung sucht und diese im besten Fall besonders früh und rechtzeitig erkennt. Denn da das medizinische Wissen über Krebserkrankungen nie so groß wie heute war, muss die Diagnose Krebs längst kein Todesurteil mehr sein. Wichtig dafür ist allerdings, dass die Erkrankung so früh wie möglich entdeckt wird, da eine Heilung vor allem dann oft möglich ist.

Leider werden die Möglichkeiten der Krebsfrüherkennung heute noch nicht ausreichend genutzt, wenngleich die Folgen dramatisch sein können. Bei Krebsarten wie Gebärmutterhalskrebs oder Darmkrebs lassen sich beispielsweise schon die Vorformen bösartiger Geschwulste entdecken und entfernen, damit sich ein Krebs gar nicht erst entwickeln kann. Mitunter sind sogar regelmäßige Selbstuntersuchungen eine große Hilfe, um Krebsarbeiten wie Haut- oder Hodenkrebs frühzeitig auszumachen. Grundsätzlich gilt allerdings, dass es den EINEN Krebs nicht gibt. Heute sind über 100 verschiedene bösartige Formen bekannt, dementsprechend vielschichtig sind auch die Fachdisziplinen und Spezialisierungen.

Kurbehandlungen bei Krebs – Risiko oder Erholung?

Ob Sauna, Besuch im Thermalbad, Rotlicht oder Aromatherapie mit ätherischen Ölen – viele Menschen genießen diese und weitere Wellnessbehandlungen, die sich ideal zum Abschalten und Krafttanken eignen. Krebspatienten hören heutzutage allerdings häufig, dass vieles, was unter dem Begriff „Wellness“ zusammengefasst wird, für sie verboten sei. Der Grund: Typische Kurbehandlungen wie Massagen oder Bäder regen den Stoffwechsel an und das wiederum soll angeblich einen Tumor wieder aktivieren können und kann demnach zu einem Rückfall führen. Auch in einigen Prospekten von Kurorten und Bädern ist dieser Hinweis zu finden. Diese Empfehlung ist allerdings keinesfalls zu pauschal zu betrachten, denn so individuell wie der Krebs selbst ist, so individuell sind auch die Handlungsempfehlungen. Um unnötige Risiken zu vermeiden, gilt es im Vorfeld allerdings in jedem Fall den Arzt zu befragen.

Aber worauf ist diese Annahme zurückzuführen? Die Anfänge dieser Vermutung reichen zurück zur Naturheilkunde aus dem 19. Jahrhundert, als die Bädertherapie – auch als Balneotherapie bekannt –  erstmals entdeckt wurde. Es wurde davon ausgegangen, dass das warme Thermalwasser sich auf den Stoffwechsel und viele Körperfunktionen auswirkt. Das wiederum sorgt dafür, dass sich auch die Durchblutung verändern könnte. Einen stichhaltigen Beweis dafür, dass aufgrund dessen Krebs entstehen könnte, gibt es aber nicht.

Entlastung für Angehörige von Krebskranken

Im Mittelpunkt bei einer Krebsdiagnose steht der Betroffene selbst, doch auch für die Angehörigen bedeuten die Krankheit und ihr Verlauf enorme Veränderungen, Ängste und Sorgen. Die Lebensplanung und der Alltag werden auf einen Schlag verändert – eine Situation, auf die viele mit Hilflosigkeit und Trauer, aber auch Wut reagieren. Anders als die Betroffenen selbst, leugnen Angehörige die neue Realität oftmals und sind nicht bereit, die Angst vor dem Verlust eines geliebten Menschen zu akzeptieren. Für Überforderung sorgen zudem die überwältigende Informationsflut rund um das Thema Krebs und die Tatsache, dass in Zukunft zwangsläufig scheinbar unlösbare Probleme bezwungen werden müssen.

Während die Patienten in dieser Situation in zahlreiche diagnostische und therapeutische Abläufe eingebunden sind, so fühlen sich die Angehörigen oft machtlos und sogar überflüssig. Ein Empfinden, das jedoch völlig falsch ist – denn gerade in dieser schweren Zeit ist jedes vertraute Gesicht eine enorme Stütze für den Kranken, auch wenn es dabei nur um das Leisten von etwas Gesellschaft geht. Bei einer Krebsdiagnose können und sollten Angehörige vor allem folgendes tun:

Offenes Gespräch mit dem Kranken

Patienten müssen während ihrer Erkrankung mit den unterschiedlichsten Auswirkungen zurechtkommen, die einerseits direkt durch den Tumor und andererseits durch die Therapie auftreten. Angefangen bei Schmerzen über Haarausfall bis hin zu Gedächtnisstörungen oder starker Erschöpfung sind es auch seelische Strapazen, die sie belasten. Vor allem die permanente Konfrontation mit existenziellen Themen sorgt für eine sehr hohe Belastung und diese kann wiederum dazu führen, dass sich Verhaltensänderungen bemerkbar machen. Für Angehörige lässt sich dies anfangs nur schwer einordnen. Plötzliche Wesenszüge wie Aggressionen, sozialer Rückzug, Stimmungsschwankungen oder erhöhte Empfindsamkeit sind jedoch meist Ausdruck großer Unsicherheit – hier gilt es behutsam, geduldig und nachsichtig zu agieren, um die Ängste des Patienten aufzufangen. Umso wichtiger ist es, ehrliche Gespräche zu führen, emotionale Unterstützung zu leisten und dem Kranken als verlässlicher Rückhalt zu dienen.

Selbständig Informationen einholen

Die Diagnose Krebs löst zunächst zahlreiche Ängste aus, auch deshalb, weil das Krankheitsbild sehr vielfältig und komplex ist. Für Patienten wie auch Angehörige bleiben anfangs jedoch viele Fragen offen. Nicht unbedingt sinnvoll ist an dieser Stelle der Gang zu Freunden und Kollegen, die vielleicht von vermeintlichen Leidensgenossen erzählen und so nur für mehr Verwirrung statt Klarheit sorgen. Besser sind hingegen offizielle Anlaufstellen, also Krebsberatungen oder seriöse Internetseiten. Dieses Wissen hilft nicht nur dabei, die Hintergründe der Krankheit zu verstehen und dem Betroffenen Beistand zu leisten, sondern auch die eigenen Ängste zu kontrollieren. Hilfreich kann es ebenfalls sein, den Patienten zu Untersuchungen und Terminen zu begleiten – im Zweifelsfall können dann im gemeinsamen Gespräch auch Fragen direkt an den Arzt gerichtet werden.

Organisation und Verständnis

Die Krebsdiagnose und der Verlauf der Krankheit haben großen Einfluss auf den künftigen Alltag. Dementsprechend gibt es vieles zu organisieren, diese Arbeit muss der Angehörige sich jedoch keineswegs allein aufbürden. Stattdessen bietet sich auch die Bitte um Unterstützung von anderen Personen an, sofern dies in Absprache mit dem Erkrankten passiert. Bekannte oder Nachbarn befinden sich beispielsweise häufig in der Situation, dass sie gerne helfen möchten, sich jedoch unsicher sind und daher lieber im Hintergrund bleiben. Außenstehende werden am besten mit praktischen und konkreten Aufgaben betraut, angefangen beim Einkaufen bis hin zum Hausputz. Entscheidend ist dabei allerdings immer, dass nichts über den Kopf des Betroffenen entschieden und ihm seine Position innerhalb der Familie gelassen wird.

Als Angehöriger neue Kraft schöpfen

Angehörige stehen vor einer riesigen Aufgabe, wenn ein Verwandter oder guter Freund an Krebs erkrankt. Sie laufen häufig Gefahr, sich selbst zu stark zu beanspruchen und zu überfordern. Doch wer sich derart aufopfert, dass er dauerhaft erschöpft, frustriert oder vielleicht auch völlig ausgebrannt ist, der hilft weder sich selbst noch dem Kranken. Das eigene Wohlergehen ist an dieser Stelle also nicht einfach zu ignorieren, denn es stellt die Basis dafür da, den Erkrankten so gut wie möglich zu unterstützen. Auch wenn es schwerfallen mag, so braucht es an dieser Stelle ein wenig gesunden Egoismus, um mit dem neuen Alltag langfristig zurechtzukommen. Angehörige sollten daher nicht auf gezielte Phasen der Entspannung verzichten, sei es der Kinobesuch, das Essen mit Freunden oder ein entspannter Abend in den heimischen vier Wänden. Nimmt der Stress dennoch überhand, so kann auch eine Kur für den Angehörigen durchaus sinnvoll sein, um die Ereignisse ohne permanente Anspannung zu verarbeiten und neue Kraft zu schöpfen. Ebenso müssen sich Angehörige keinesfalls schämen, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen, zum Beispiel von einem Psychotherapeut, einer Beratungsstelle oder im Kreise einer Angehörigengruppe.

Hilfe für Angehörige von Krebskranken

Vorsorge- und Rehabilitationsleistungen werden für pflegende Angehörige spätestens dann ein relevantes Thema, wenn sie aufgrund von Stress, Überarbeitung und Erschöpfung selbst zum Pflegefall werden. Schuld daran sind zum Beispiel zu wenig Schlaf, hohe seelische Belastungen oder körperliche Höchstleistungen rund um die Uhr. Wer dazu auch noch seine eigenen Bedürfnisse immer weiter einschränkt, soziale Bindungen vernachlässigt und kaum auf eigene gesundheitliche Beschwerden achtet, kann früher oder später unter depressiven Verstimmungen, chronischen Schmerzen, Erschöpfungszuständen, psychosomatischen Erkrankungen und vielen weitere Beschwerden leiden.

Kuren können diese schwerwiegenden Folgen im besten Fall vermeiden oder mindern die Symptome zumindest ab. Welche Art von Kur es im Detail sein soll, wird im ausführlichen Gespräch mit dem Hausarzt beschlossen. Möglich sind ambulante oder stationäre Maßnahmen, aber auch Kompaktkuren für einen intensiveren Behandlungsablauf bieten sich an. Eine Sonderform stellen spezielle Kuren für Pflegende dar, von denen es bisher aber noch vergleichsweise wenige gibt.

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